Dienstag, 31. Juli 2007

Schlaue Sprüche

Es gibt sie haufenweise, die meisten sind sinnig und nett, die allermeisten nerven.
Einer meiner Lieblingssprüche:
Wer nicht weiß, wohin er will, braucht sich nicht wundern, wenn
a) keiner mitkommt
b) er ganz woanders ankommt

b) birgt eine Art Paradoxon in sich. Ist das Ziel nicht klar, kann es also auch nicht als "ganz woanders als gewollt" definiert werden.
Das lasse ich jetzt erst mal so stehen.

So ganz kann ich mir den Zusammenhang nicht erklären, deswegen steht dieser Beitrag auch in "Gesprungenes":
Wer andere dauernd anbrüllt, dass sie das tun, was man will, braucht sich nicht wundern, wenn die anderen sich die Ohren zu halten. Und eben nichts oder das Gegenteil tun.
Das hängt ein wenig mit oberem Satz zusammen, ein wenig aber auch mit der DramaQueen.
Wie oft habe ich die Menschen in meiner Umgebung auf unterschiedlichste Art angebrüllt, sie sollen dies oder jenes tun oder unterlassen. Das Ergebnis war nie zufriedenstellend, weil ich selbst nie etwas dafür tat, dass ich mit meinem Tun oder Nichttun zufrieden war.
Das Ergebnis war sogar höchst unbefriedigend, weil es in mir einen schalen Nachgeschmack hinterlassen hat und die Frage, warum es denn so kam. Irgendwann habe ich es geschnallt und frage nicht mehr, warum es denn so kam, sondern frage mich: Was habe ich dafür oder dagegen getan, dass es nun so ist.

Insgesamt klingt es nach ein wenig im Kreis drehen. Und genau das ist es auch. Man dreht sich im Kreis. Im Zweifel ist es der Kreis aus den Selbstarten: Selbstmitleid, Selbsthass, Selbstzweifel, usw.

Je mehr man über seine "Angewohnheiten" weiß, und der Zustand der Dauer-DramaQueen IST eine Gewohnheit, umso eher hat man die Möglichkeit zu agieren und zu reagieren, sodass das Ergebnis das ist, was man sich wünscht.
irie_ways - 31. Jul, 02:09

Ich glaube Menschen sind sich alle sehr sehr ähnlich, auch wenn das nicht so scheint. Aber ich glaube wenn man sich in einer Konfliktsituation wiederfindet, egal in welchem Ausmaß, dann sollte man sich immer in die Rolle des Gegenüber versetzen und dann eben auch so handeln, wie es sich dieser wünschen würde. Ich denke so kommt man dann dem anderen und somit sich selbst am weitesten entgegen.
Das schwierige daran ist bloß, sich dann in solchen Momenten zu besinnen und das dann eben auch durchzuziehen!

Cilia Sommer - 31. Jul, 15:05

Viel ähnlicher

als du glaubst. Wenn ich meine Hände nicht zwingend zum Arbeiten bräuchte (btw: Gruß aus der Mittagspause), würde ich sie mir abhacken lassen, weil ich davon überzeugt bin, dass absolut jeder Mensch so ein DramaQueen-Getue schon mal durchgezogen hat. Es ist auch in Ordnung so. Man sollte nur irgendwann damit aufhören.
Genau dies ist der Punkt, den du meinst: Die Situationen ausloten, erforschen, analysieren, von möglichst vielen Blickwinkeln beleuchten und wenn dieser Moment da ist, so zu reagieren, dass der gewünschte Erfolg eintritt.
Es klappt :-)
Alexander Nicolai - 31. Jul, 17:21

ich denke, wir sind uns derart ähnlich, dass wir schon enorme Schwierigkeiten haben, das einzugestehen, weil es die Individualität an sich auf den Prüfstand stellt.
Steht sie aber mal dort (ich berichte jetzt einfach mal aus meiner subjektiven, aber sicher nicht vollständig individuellen Erfahrung), dann sind es mehr die Ausgangssituationen und unsere jeweiligen Entscheidungen, die uns individuell machen, aber seltener die Muster mit denen wir das wahrnehmen (und auch kommunizieren).
Sprache ist schon ein sehr schönes Beispiel dafür, denn Sprache ist ein solches Muster, mit dem wir Gegenständen, Empfindungen und Gedanken ein Symbol geben, das wir teilen. So könnte man sich endlos darüber streiten, was es bedeutet, verliebt zu sein, aber wenn uns jemand mitteilt, das er verliebt ist, dann wissen wir schon um das Gefühl, dass derjenige zum Ausdruck bringen möchte. Individualität besteht dann schon eher darin, ob man das 'verliebt' nennt, oder 'verknallt'. Das wäre dann eine Entscheidung, und insgesamt potenzieren sich diese Entscheidungen zu einem hochkomplexen Muster, das wir dann Individualität nennen könnten (nicht zu vergessen natürlich die jeweiligen Ausgangssituationen).
Konflikte entstehen dann übrigens auch nicht selten darin, dass komplexe Entscheidungsgebilde im kommunikativen Umgang miteinander (verbal und non-verbal) assoziativ wirken. Zum Beispiel, wenn die eigene erste Verliebtheit ein Desaster war, und dann ein Desaster assoziert wird, wenn und jemand von Verliebtheit erzählt.
Oder wenn, das ist vielleicht verständlicher, ein uns neuer Mensch Dinge tut, die wir negativ assozieren, da wird man empfindlich.
Eine Frau zum Beispiel, die lange Zeit mit einem Alkoholiker zusammen war, der sie unter Alkoholeinfluss misshandelt hat. Nehmen wir an, man ist mit dieser Frau zusammen, und hat dann mal Lust auf ein Bier, weil's draußen warm ist und man das einfach mal genießen will. Dieses Bedürfnis nach Genuß kann die Frau dann sehr schnell als Vorbereitungsabsicht für eine Tracht Prügel interpretieren.
Ist sie dann zum Beispiel eine 'Drama-Queen' und trägt diese Angst immer noch in sich herum, kann das soweit gehen, dass sie förmlich darauf lauert, dass ihr Neuer endlich mal ein Bier trinkt, um endlich ihre Angst zu bestätigen.
Kaum nippt er dann am Schaum, steht für sie schon fest, dass er sie nicht liebt, dabei wollte er nur mal ein Bier trinken.
Dieses Beispiel klingt vielleicht lächerlich, aber solche Fälle gibt es, und Eifersucht ist diesem Phänomen gar nicht unähnlich. Man wartet förmlich darauf, dass der andere ein Signal erotischen oder platonischen Interesses an jemand anderem zeigt, um sich hintergangen fühlen zu können.
Allerdings stellt sich dann auch die Frage, wie damit umgehen.
Sich in den anderen hineinzuversetzen ist da sicher ein guter Anfang, aber das ist auch nicht immer so einfach möglich, man teilt ja nur bedingt dessen Erfahrungen, und fühlt sich dann auch überrascht konfrontiert mit aggressiven Reaktionen, die man gar nicht nachvollziehen kann.
Wenn nun solche Angst-Mechanismen vorliegen, denke ich, ist es wichtig, auch den Mechanismus zu kennen. Das hilft, wenn man gar nicht weiß, welche konkreten Erfahrungen dem zugrunde liegen. Angst vor etwas geht idR immer auch einher mit der Hoffnung auf etwas. Angst davor, enttäuscht zu werden, bedeutet auch Hoffnung darauf nicht enttäuscht zu werden, und darin kann man einen Beitrag leisten, dem anderen zu helfen das aufzulösen. Klingt hart, ist hart, aber es kann sehr heilsam sein, eine Angst aufleben zu lassen, sie aber dann nicht zu erfüllen, sondern genau das Gegenteil zu machen. Einen Streit vom Zaun zu brechen, aber nicht um dem anderen weh zu tun, sondern um ihm zu zeigen, dass man trotz und auch im Streit zu ihm hält.
irie_ways - 31. Jul, 23:48

Das leuchtet alles sehr ein, was ist nun aber zu tun, wenn der Streit ansich die Angst ist?
Cilia Sommer - 1. Aug, 00:15

Dann

stellt sich die Frage, warum ist der Streit die Angst? Übergroßes Harmoniebedürfnis? Wissen, dass die eigenen Argumente nicht ausreichen, um zum Ziel zu gelangen?
Ich bin mir nicht sicher, nur kann ich mir nicht oder schwer vorstellen, dass DER Streit an sich die Angst ist. Auch wenn der Inhalt vieler Streitereien oft der ziemlich gleiche ist, so ist jeder Streit ein wenig anders. Läuft ein wenig anders ab, es wird ein wenig anders argumentiert, und im Zweifel wird eben die Faust statt des Tellers genommen (sorry).
Wenn der Streit an sich die Angst ist, könnte ich auf den Gedanken kommen, dass ein Konflikt nicht gelöst werden soll, weil dadurch Veränderungen eintreten könnten, die nicht gewünscht sind.
irie_ways - 1. Aug, 23:38

Ich denke, das Prolbem mit dem Streit, dass mir bereits jetzt schon lächerlich vorkommt, hat sich erledigt, da ich mich für einen Weg entschieden habe. Ich nehme das Beste mit, was ich auf meiner Lebensreise bisher erlebt habe und nun gehe ich einen neuen Weg.
Cilia Sommer - 2. Aug, 00:04

Erwarte nichts, hoffe das Beste :-)

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