Freitag, 12. Oktober 2007

Egoismus II - Der Ich-Kult

"ICH" fürchte, dies ist ein ziemlich langes Thema. Wahrscheinlich unerschöpflich. Der/Die/Das Ich.
Ichichich. Immer und immer wieder ich. Es geht immer nur um mich und nie um etwas anderes. Ich will dies, ich möchte das, ich habe jenes erlebt und ich habe tolles geleistet. Jo. Ist ja an sich in Ordnung. Heute erst hab ich einen Eintrag gepostet, wo es nur um mich und meine genialen Heilfähigkeiten geht (ist auch mehr für mich gedacht). Ist ja auch toll.
Und doch nervt mich das Ich. Besonders, wenn es nicht um mich geht, haha.
Also noch mal und im Ernst. Irgendwie erzählt mir jeder Mensch, den ich treffe, wie toll er ist und was er kann und was er macht und was er will und und und. Hm, passiert überwiegend bei Männern - Ich denk, die (meisten) wollen nicht der Versorger sein, warum tun sie sich dann so hervor? Treffen sich zwei Frauen, sieht es ganz anders aus: "Was machst du so?" "Dies und jenes." "Aja, ich mach desda." Fertig. Zumindest aufs Berufliche bezogen.

Inzwischen habe ich an mir bemerkt, dass ich gar nicht mehr so viel von mir (beruflich und privat) erzähle. Wozu auch. Es gibt interessantere Dinge.

Weiter gehts! Manchmal scheint mir in Beziehungen der Ich-Faktor besonders groß, obwohl dies auf den ersten Blick nicht so aussieht. Fängt schon an bei: ICH liebe dich. Das ICH steht an erster Stelle, liebe an zweiter und der Partner an dritter Stelle. Irgendwie gibt mir das zu denken.
Vielleicht ist es auch übertrieben, aber irgendwie fände ich es schön, wenn man vielleicht sagen würde: DU bist der Mensch, dem meine Liebe gehört. Ja, ok, bissle lang für ne SMS. Und eigentlich will ich dem anderen doch sagen, wie wichtig er für mich ist.
Bei Schwierigkeiten ist es auch nicht anders:
ICH habe dies und jenes, mache mir Sorgen, habe Angst, habe das Gefühl, dass... Immer wieder und wieder Ich.
Warum nicht mal: Sag mal, wie fühlst du dich in unserer Beziehung? (Uff, da kanns jetzt wirklich ausschweifend werden!)

Woran mag das liegen, dass wir alle uns um uns selbst drehen und im besten Fall unsere Aufmerksamkeit(-en), die letztlich dem eigenen Ich dienen, auch noch als Sorge um den Anderen verkaufen?

Es geht nicht um Altruismus und auch nicht um Egoismus. Beides gibt es nie für sich allein. DAS wäre auch nicht auszuhalten ;-)
irie_ways - 13. Okt, 16:59

Ich schätze, dass der Mensch schon immer Ich bezogen war, ging halt schon immer ums überleben. Es gibt aber sehr wenige Menschen die sich auch wirklich für andere Menschen interessieren und das nicht um irgend einen Vorteil daraus zu ziehen, die bewundere ich immer sehr.

Cilia Sommer - 14. Okt, 12:45

Da ist es schwierig.

Es gibt nicht nur sehr wenige Menschen, die sich für andere interessieren, es sind sogar sehr viele. Nur: Egal, was du tust, du wirst immer auch einen Vorteil aus einer Tat für jemand anderen ziehen. Ich z.B. schenke unheimlich gern. Ich mag es total, wenn ich mir schon seit September Gedanken mache, was ich der Handvoll wichtigster Menschen in meinem Leben in den Adventskalender stopf. (Gut, inzwischen hab ich nen Arsch voll Arbeit und Organisation am Hals, es könnte dieses Jahr also ziemlich eng werden.)
Aber warum mache ich das? Um meine lieben Freunde zu erfreuen? Klar. Die sind mir wichtig. Aber ich mache es auch für mich, weil diese Vorbereitungen MIR so viel Spaß machen. Aussuchen, Grübeln, Knobeln, Tüfteln, Basteln und die ganze Zeit über so tun, als wäre rein gaaaaaaar nichts und hinterher die überraschten Gesichter: Herrlich!!! Und nein, ich habe noch nie einen Adventskalender von meinen Freunden bekommen, erwarte ich auch nicht als Gegenleistung. Irgendwie erwarte ich nämlich gar nichts als Gegenleistung. Das gibt ein neues Posting.
ElizaDay - 29. Mrz, 08:27

Wenn ein Wesen aber kein "ich" besitzt oder sein "ich" nicht sehen will, kann es auch kein "du" fühlen
wenn man mit seinem "ich" im reinen ist oder es annimmt, kann es doch auch in Ordnung sein den Begriff zu verwenden, es muß im eigenen Mikrokosmos auch ein Zentrum geben um die Anziehungskraft zu den Planeten und Sternen bestehen zu lassen (und vielleicht auch zu einer persönlichen Sonne)
((:
Cilia Sommer - 29. Mrz, 10:01

Hallo Eliza, bestünde aber nicht die Möglichkeit, dass man sein Ich selbst nicht sehen bzw fühlen kann/will, aber dennoch eben ein Du wahrnimmt?
Über deinen letzten Absatz muss ich noch ein wenig nachdenken. Ja, vielleicht empfindet man sein eigenes Ich als unpassend, wenn man das Wort Ich benutzt und daher möchte man es umgehen.
ElizaDay - 29. Mrz, 18:08

ja man kann ein du wahrnehmen aber es gibt trotzdem unterschiede, weil man dann gefangen ist in diesem nicht-ich. Man erlebt es als nicht existent und es ist ein Käfig und nur wenn man sich zuläßt, beginnt man beziehungsfähig zu werden.
Cilia Sommer - 29. Mrz, 18:14

Passt irgendwie zum aktuellen Thema "Wert". Man muss sich selbst bewusst werden, ein Ich entdecken, zulassen und so seinen eigenen Wert definieren. Bzw überhaupt erst wahrnehmen.

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