Samstag, 15. März 2008

Fetzen/Erinnerung

"Ich will ja nur was trinken", sage ich und winde mich aus deinem Arm, um mich nach vorne zu beugen. Deine Hand hält meinen Hals, ein bisschen zu fest.
Ich trinke. Ich möchte gar nicht aufhören zu trinken.
Kaum stelle ich mein Glas zurück auf den Tisch, schon zieht deine Hand ungeduldig an meinem Hals, zieht mich zurück in deinen Arm, der sich dann wie eine Würgeschlange um meine Schulter wälzt und deine Hand ruht sich auf meinem Busen aus. Zumindest würde es irgendwann mal zu einem Busen werden.
Alexander Nicolai - 15. Mrz, 19:47

Demütigung

ein kleiner Junge. ich sehe einen kleinen Jungen, der fortgelaufen ist, und sich hinter der Turnhalle versteckt, weil er die Demütigungen nicht mehr erträgt, weil er es nicht erträgt, dass die anderen schneller sind, dass er sich nie wehren kann. Sie schubsen ihn umher, lachen und nennen ihn Schwabel. Letzte Woche haben sie versucht ihn mit bengalischem Feuer anzuzünden, fast jeden Tag warten sie in einer Seitenstraße, um ihn abzufangen. In der Schule versuchen sie manchmal ihm die Hosen auszuziehen, er wehrt sich panisch dagegen - Kinder sind grausam. Jungs sind grausam. der kleine Junge ist grausam.
Da sitzt er, hinter der Turnhalle, hat panische Angst und keinen Halt. Aus Angst wird Hass und aus Hass unendliches Leid.
Der kleine Junge hat keine Ahnung wer Adolf Hitler war. Von ihm wird er erst sehr viel später hören. und er wird ihn verstehen.
in seiner Phantasie ist der kleine Junge ein Mann geworden. ein dunkler und reifer Mann, ein starker Mann. ein mächtiger Mann. gefürchtet. er wird Millionen Männer hinter sein Herz scharen, und für ihn werden sie sterben und töten. Und dann ist der Moment der Abrechnung gekommen, die Rache ist mein, denkt der kleine Junge und vor seinem inneren Auge werden aus tapferen Männern hassentbrannte Dämonen. Die ihn traten liegen nun vor ihm im Staub und winseln. Dieses eine Wort nur muss er flüstern, er muss es mit seinem Herzen flüstern, 'Tötet'. Nein, sage ich. ich rufe ihnen zu: 'Lebt' und der kleine Junge blickt mich schweigend an. Er weiß, mir kann er nichts tun. Ebenso wie er weiß, dass ich ihm nichts tun werde, und aus Dämonen werden wieder tapfere Männer.
ich bin mächtiger, flüstert der Junge. ich lächle ihn an, 'Sei gerechter'. mehr sagt keiner von ins beiden. Meine Liebe ist größer, Du kannst mir nicht entkommen. ich bin Du.
und dem kleinen Jungen kommen die Tränen, er kann sich nicht dagegen wehren. er ist schutzlos. gegen meine Liebe

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