Gesprungenes
Man sollte meinen, dass jeder erwachsene Mensch seinen Wert selbst definiert. Aus seinem eigenen Bild, den Erfahrungen seiner Umwelt.
Aber stimmt denn das Bild mit dem überein, dass die Eltern vermittelt haben?
Anders gefragt: Stimmt es noch überein, wenn man in sich geht und dem nachspürt, wie man sich heute empfindet?
Ist man heute noch der starke Mensch, wenn man unangenehme Erinnerungen zulässt und sich wieder in das Kind versetzt, das man mal war.
War man damals hilflos und wurde nicht als Ganzes wahrgenommen, ist es heute nicht auch noch so? Nur mit einer Menge Kompensationsmechanismen zum 'Überleben'?
Cilia Sommer - 28. Mrz, 23:01
"Vergiss nie, du bist eine starke Frau!"
Und das berechtigt nicht dazu, schwach zu sein?
Cilia Sommer - 20. Feb, 22:11
Dienstag fahre ich in die Lüneburger Heide zu einem Lehrgang.
Ich habe Magensausen.
Nicht wegen dem Lehrgang, davon hab ich schon zu viele gemacht, als das mich sowas noch beeindrucken könnte.
Lüneburger Heide. Knapp vor
Bremen. Fast kurz vor meinem Wahl- "Zuhause". Mir ist schlecht. Und ich will schon jetzt nicht mehr weg aus dem Norden. Schon jetzt hab ich Angst vor dem Abschied vom Flachland.
Als ich mich das letzte Mal von Bremen verabschiedete, habe ich geschätzte 3o Kilometer lang geheult.
Dort hatte ich zum ersten Mal ein Zuhause.
Nachtrag: Das Omen? Beim Einkaufen suchte ich automatisch nach den Zutaten für ein Grünkohl-Essen...
Cilia Sommer - 8. Dez, 01:11
Und zwar immer dann, wenn ich herumkränkel, dann überkommt mich die Lust auf... Kochen! Oder Backen. Oder Marmelade machen.
Jetzt habe ich ein Rezept gefunden, das den Fotos nach lecker aussieht. Dumm: Es ist auf französisch. Toll.
Ich denke, es soll eine Art Konfitüre aus Bananen mit Kokosmilch sein. Die schmeckt wahrscheinlich irre gut. Falls jemand in der Lage ist, mir dieses Rezept zu übersetzen, und zwar so, dass es umsetzbar ist, dem schicke ich ein Glas von dem Zeug :-)
Zutaten:
# 500 g de bananes (poids des fruits épluchés)
# 2 citrons verts
# 1/2 sachet de Vitpris
# 300 g de sucre
# 10 cl de lait de coco
Und los gehts:
1 Détailler les bananes en rondelles. Râper le zeste d'un citron vert, presser le jus des deux citrons. Mélanger le tout.
2 Verser les fruits dans une marmite à fond épais et faire cuire à feu doux pendant 10 minutes environ.
3 Pendant ce temps mélanger la moitié d'un sachet de Vitpris avec 1 cuillère à soupe de sucre. Ajouter le Vitpris aux fruits, bien mélanger et faire cuire 3 minutes. Ajouter le reste de sucre et faire cuire encore 3 minutes.
4 Ajouter alors le lait de coco, ramener à ébullition 1 minute et retirer du feu.
5 Ecraser ou mixer légèrement les morceaux de bananes si nécessaire et mettre en pots. Conserver de préférence au réfrigérateur.
Pour finir... Grâce à la pectine ajoutée, la cuisson est écourtée, on met un minimum de sucre et les bananes gardent leur belle couleur jaune !
Cilia Sommer - 26. Sep, 23:44
Man sagt: Auf Lügen lässt sich keine Freundschaft, keine Beziehung aufbauen.
Pauschal: Ja.
Lernt man jemanden kennen und baut ein Netzwerk aus Lügen auf, braucht man ein verdammt gutes Gedächtnis, sodass auch noch nach Jahren keine Widersprüchlichkeiten aufkommen können. Die Fassade muss aufrecht erhalten werden um jeden Preis. Passiert der geringste Fehler und der Andere hat ein mittelmäßig gutes Gedächtnis, dann kommt es irgendwann zum Bruch der Freundschaft oder Beziehung.
Man sagt: Auf Lügen lässt sich keine Freundschaft, keine Beziehung aufbauen.
Pauschal: Nein.
Es scheint Menschen zu geben, die vom Anderen geradezu eine Fassade fordern. Vielleicht, um die eigene Fassade polieren zu können. Passieren hierbei Fehler, so scheint dies nicht viel auszumachen. Zu irgendeinem Teil ist man sich ja schließlich bewußt, dass man nur verschönt, wo nicht viel ist. So sieht man über die logischen Fehlerchen, die dem Anderen beispielsweise unterlaufen sind, geflissentlich hinweg und kreiert also gemeinsam an beiden Masken herum. So etwas kann ja auch verbinden.
Man sagt: Auf Lügen lässt sich keine Freundschaft, keine Beziehung aufbauen.
Pauschal: Jein.
Trifft man auf einen Fassadenmaler und stellt irgendwann fest, dass die Oberfläche zu bröckeln beginnt, liegt es nun an einem selbst, was man damit anfängt.
Sehr verständlich und nachvollziehbar ist es, wenn man diesem nun den Rücken kehrt und ent-täuscht ist.
Doch fühlt man sich diesem Menschen stark verbunden, liegt einem sehr viel am Anderen, so braucht man Mut, Geduld und Güte, um diese Maske nach und nach aufzubrechen und die Schönheit des Menschen so hervor zu holen, dass auch dieser es erkennen kann.
Cilia Sommer - 24. Aug, 22:03
Es gibt sie haufenweise, die meisten sind sinnig und nett, die allermeisten nerven.
Einer meiner Lieblingssprüche:
Wer nicht weiß, wohin er will, braucht sich nicht wundern, wenn
a) keiner mitkommt
b) er ganz woanders ankommt
b) birgt eine Art Paradoxon in sich. Ist das Ziel nicht klar, kann es also auch nicht als "ganz woanders als gewollt" definiert werden.
Das lasse ich jetzt erst mal so stehen.
So ganz kann ich mir den Zusammenhang nicht erklären, deswegen steht dieser Beitrag auch in "
Gesprungenes":
Wer andere dauernd anbrüllt, dass sie das tun, was man will, braucht sich nicht wundern, wenn die anderen sich die Ohren zu halten. Und eben nichts oder das Gegenteil tun.
Das hängt ein wenig mit oberem Satz zusammen, ein wenig aber auch mit der
DramaQueen.
Wie oft habe ich die Menschen in meiner Umgebung auf unterschiedlichste Art angebrüllt, sie sollen dies oder jenes tun oder unterlassen. Das Ergebnis war nie zufriedenstellend, weil ich selbst nie etwas dafür tat, dass ich mit meinem Tun oder Nichttun zufrieden war.
Das Ergebnis war sogar höchst unbefriedigend, weil es in mir einen schalen Nachgeschmack hinterlassen hat und die Frage, warum es denn so kam. Irgendwann habe ich es geschnallt und frage nicht mehr, warum es denn so kam, sondern frage mich: Was habe ich dafür oder dagegen getan, dass es nun so ist.
Insgesamt klingt es nach ein wenig im Kreis drehen. Und genau das ist es auch. Man dreht sich im Kreis. Im Zweifel ist es der Kreis aus den Selbstarten: Selbstmitleid, Selbsthass, Selbstzweifel, usw.
Je mehr man über seine "Angewohnheiten" weiß, und der Zustand der Dauer-DramaQueen IST eine Gewohnheit, umso eher hat man die Möglichkeit zu agieren und zu reagieren, sodass das Ergebnis das ist, was man sich wünscht.
Cilia Sommer - 31. Jul, 00:34
Bisweilen ist es ein Drama mit dem Drama.
Jetzt kann ich halbwegs drüber lachen. Und gleichzeitig schmerzt es, wenn man feststellt, was man nicht alles macht, um als DramaQueen dazustehen.
Rühr mich nicht an, Fass mich nicht an, und wehe, du tust etwas, von dem ich zwar will, dass du es tust, aber irgendwie auch nicht, weil ich will, dass du mich eroberst und außerdem will ich so sein, weil ich ein armes, zartes Pflänzchen bin, dass schon so oft enttäuscht wurde und von dir bestimmt auch enttäuscht werden, weil das immer so ist und wenn du DAS jetzt tust, dann machst du alles kaputt, dann trampelst du im Vorgarten meiner unglaublich starken Liebe, die ich für dich empfinde, herum,
Sekunde, ich hol mir nen Kaffee
ähm, ja, genau, du zerrupfst mit deinen klobigen Pranken die fast unsichtbaren Bande, die ich zu dir knüpfen will, also bitte bitte bitte, fass mich nicht an, tanze nach meiner Pfeife, du darfst erst dann, wenn ICH es sage und es will und momentan fühle ich mich so bedrängt von dir, dass ich gar nicht weiß, ob ich will oder nicht oder ob es überhaupt Sinn macht und war da nicht noch irgendeine Frühere, von der du mal völlig nebenbei und ohne sonstige Gedanken und Gefühle erzählt hast, du liebst sie also noch, was willst du dann von mir, vielleicht weißt du ja auch nur unterbewusst, dass du sie liebst und ich bin ein Lückenfüller, der im Moment interessant sein mag, weil es neu ist, aber mit voller Ehrlichkeit liebst du mich ja doch nicht...
Uff.
Es ist anstrengend. Es ist anstrengend, dies zu schreiben, zu lesen, zu fühlen und vor allem an und in sich zu erkennen. Genau da bin ich. Und die DramaQueen befindet sich anscheinend in der Abschlußvorstellung.
Fragt sich nur, was der Knaller wird.
Cilia Sommer - 30. Jul, 12:08
Zukünftige Jahreszahlen sind faszinierend.
* Nächstes Jahr bin ich mitten im Studium (Hm, ich sollte mal so langsam meine Uni-Bewerbung fertig machen).
* In zwei Jahren bin ich selbständig und noch immer im Studium.
* In drei Jahren schreibe ich meine Master-Thesis und werde Zweitbeste des Jahrgangs.
* In dreieinhalb Jahren werde ich ohne mein Zutun verlassen.
* In vier Jahren bin ich Privatdozentin, Gutachterin (bin ich ja jetzt schon), noch immer erfolgreich selbständig (aber mit fachlicher Leitung aus Zeitmangel), führe Schulungen und Inhouse-Seminare durch, verkaufe sauteure Konzepte von bester Qualität und habe fast keine Freizeit.
* In fünf Jahren werde ich einen Autounfall haben und wahrscheinlich sterben.
Bei diesen Aussichten sollte ich die Punkte dreieinhalb und vier Jahre nochmals überdenken.
Cilia Sommer - 25. Feb, 00:07
Zeitzeitzeit. Zu wenig, wie immer. Einen Tag mehr Wochenende, für Dinge, die gemacht werden wollen und nicht müssen.
Ein Tag mehr Leben zu leben.
Warum verbraucht Kleinkram mehr Zeit als die wichtigen Dinge im Leben?
Ein Tag mehr Wirklichwichtig.
Vielleicht reicht auch schon eine Stunde.
Im Stundenglas verrinnt das Schlaflos in Seattle genau so wie das Hungrig in San Francisco und das Zeit-los in Stuttgart.
Hier möchte man wohl einen Tag mehr Wochenende für Dinge, die gemacht werden müssen, weil man sie eben so macht.
Würden sie auch gemacht werden müssen, weil man sie eben so macht, auch wenn am Montag um 8.12 Uhr morgens die Welt aufhören würde?
In Stuttgart vermutlich schon. In mir nicht. Aber auch ohne Weltende nicht.
Was macht man in fünf Jahren? Eine Menge Zeit für wichtiges Ungewichtiges und viel zu wenig, um den Rest seines Lebens zu er- und ver- und be-leben. Nur über-leben könnte ein Problem darstellen. Hat sich jemand selbst überlebt?
Wenn ja, wie oft schon?
Sieben Leben soll eine Katze haben. Warum nur so wenige? Für all das, was man im Leben er-leben kann, sind sieben Leben zu wenig Zeit. Ein Bruchteil eines Tropfens in der unendlichen Unzeitlichkeit.
So wenig Zeit zu bekommen ist unfair. Wie viel hat man schon verpasst, nur weil man noch nicht geboren war in dem aktuellen Bewusstsein! Wo kann man reklamieren? Wo beschweren, dass man erst jetzt leben darf?
Völlig unverständlich, dass jemand seine Zeit absichtlich abkürzt, auch wenn ich mich immer wieder frage (und vermutlich noch eine ganze Zeit lang (haha) fragen werde), wie es sich anfühlt, wenn man mit 220 Sachen ein Brückengeländer durchbricht und anfängt zu fliegen oder gegen eine Mauer donnert.
Das Zeitliche gesegnet.
Wie soll das gehen?
Das Zeitliche gekürzigt, oder gekündigt, das wäre ehrlicher.
Sehr geehrte Damen oder Herren,
hiermit kündige ich fristlos das Zeitliche. Ein eventuell vorhandenes Guthaben bitte ich auf meine Schwarzinkarnation in der Schweiz zu übertragen.
Wenn das mit irgendwelchen Geldern funktioniert, warum nicht auch mit Zeilichem.
Was für Zinsen es wohl geben mag...
Sehr geehrte Frau Sommer,
leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass ihre Kündigung nicht fristlos akzeptiert werden kann, da Ihre Mutter dies bei Ihrer Geburt nicht auf der Lebensanmeldung angekreuzt hatte. Da Sie uns als Kundin aber wichtig sind, möchten wir Sie zu einer Wiederbelebung auf der Intensivstation einer Klinik Ihrer Wahl einladen. Sollte Ihnen unser Vorschlag zum Weiterleben nicht entgegen kommen, können Sie natürlich eine fristgerechte Kündigung aussprechen. Bitte beachten Sie, dass tödliche Krankheiten eine Mindestlaufzeit von drei Monaten haben.
Mit freundlichen Grüßen
Dieser Brief wurde maschinell erstellt und bedarf zur Gültigkeit keiner Unterschrift
Cilia Sommer - 18. Feb, 02:50